UTOPIE... EIN WUNSCHTRAUM, EINE VORSTELLUNG. 

 

"Ich habe UTOPIE als Überbegriff für eine Werkserie gewählt, 

die mit der Vorstellung einer verbesserten Gesellschaft spielt.

Oder der Idee einer sich verbessernden Gesellschaft."

 


 

UTOPIE 1 - ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER

 

Installation

Klebefolie auf Fensterglas

17 Felder à 118 x 71 cm

Gesamtgröße 7,4 x 26,00 m (variabel) 

Ton

2016

 

Im Gedicht „An die Freude“ schreibt Schiller dieser eine menschenverbindende 

Eigenschaft zu. „Deine Zauber binden wieder….“

Daraus lässt sich die Frage ableiten, in welcher Welt wir leben möchten.

Einer Welt, in der Brücken gebaut werden - oder einer Welt, die Mauern errichtet?

Er stellt das Verbindende über das Trennende und appelliert

an den Geist der Freundschaft und den Sinn für die Gemeinschaft.

„Alle Menschen werden Brüder…“

Die „Ode an die Freude“ wurde 1985 zur Europahymne erhoben.

 

 

ZUR INSTALLATION

 

Ich lebe in St. Nikola, mein Haus steht direkt an der Donau, weithin sichtbar.

Die Installation besteht aus 96 Buchstaben, die ich aus Klebefolien ausgeschnitten

und auf den Fenstern an der Fassade angebracht habe.

Täglich lasse ich die „Ode an die Freude“ erschallen.

Sie erklingt aus den offenen Fenstern, Musik und Worte werden über den Fluss getragen.

 

Die Installation lebt. 

 

Öffne ich ein Fenster, verändert sie sich.

Die Buchstaben werfen Schatten in die Räume meines Hauses,

die sich mit dem Sonnenstand stetig verändern.

Ich schaue durch die Freiräume zwischen den Buchstaben auf die Donau - hinaus.

Mein Blick spielt mit unterschiedlichen Ausschnitten der mich umgebenden Landschaft.


ZUM HAUS DER FREUDE IN SANKT NIKOLA

 

 

Eine Utopie ist der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen gebunden ist. (Wikipedia)

 

Zehn Länder verbindet die Donau, so viele wie kein anderer Fluss auf dieser Welt!

Will unser sehnlichster Wunschtraum nach Verbrüderung, Freude und Jubel, nach der Utopie eines Weltfriedens, nach einer Welt ohne Kriege und Zerstörung (Aribert Reimann) nicht auch an der Donau geträumt werden? 

So wie ihn Friedrich Schiller 1785 in seiner Ode an die Freude an der Elbe einfing und dem Fluss mit auf den Weg gab? Und so wie ihn der Wahlwiener Ludwig van Beethoven 1824 in seiner 9. Sinfonie weiterträumte? 

1985 wurde dieses Stück Weltmusik zur offiziellen Europahymne erklärt.

Es versinnbildliche die Werte, die alle teilen, sowie die Einheit in der Vielfalt

.

Wie berührend dieses Lied noch immer ist, wieviel Heilendes in diesen Klängen liegt! 

Wieviele Tränen wurden geweint, als es erklang, bei Konzerten, Gedenkstunden, Demonstrationen und Mauerfällen? Wissen wir denn, was wir da hören, was wir da singen, aus ganzem Herzen?

 

Noch haben wir das Ruder in der Hand.

Noch stürzt die Donau nicht nach der nächsten Biegung in einen bodenlosen Abgrund,

noch verbindet und nährt sie uns, fliesst sie friedlich weiter nach Wien, dem Geburtsort dieser Hymne, und fließt weiter und immer weiter bis ins Schwarze Meer, wo sie ein Teil von etwas Neuem, etwas anderem Großen wird. So ist das schon seit unendlich langer Zeit, und so viel älter ist das alles, als unsere Ordnungen und Grenzen…

 

Martin Zels, August 2016